Ich habe ein unentdecktes
Paradies entdeckt. Tiefblaues Wasser, endlose Strände und köstliches Essen. Wo? Costa Navarino, Griechenland
Bettina H., 42 Jahre, Hamburg
 
The Dolder Grand Hotel Zürich Drucken E-Mail

Besser geht’s nicht!

Prunkpalast, sagen die einen. Luxusdomizil die anderen. Selbst »gepimptes Grandhotel« habe ich gelesen.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin, hilft nur eine Bezeichnung für das »The Dolder Grand«: Das beste Hotel der Welt!  
Text: Jennifer Latuperisa

 

Reiseredakteur. Ein Leben wie im Bilderbuch. Fremde Länder, pulsierende Städte und tolle Hotels. Zugegeben, nicht immer ist es so, aber doch ziemlich häufig. Nun erzähle ich das nicht, um mich selbst oder meine Zunft zu beweihräuchern. Ganz im Gegenteil. Ich erwähne es, um der Aussage »das beste Hotel der Welt« noch etwas mehr Gewicht zu verleihen.
Aber warum ist das ursprüngliche »Churhaus«, das jahrzehntelang als Wahrzeichen Zürichs galt und dann gegen Ende des 20. Jahrhunderts einen Abstieg auf das Abstellgleis erlebte, ein Haus der Extraklasse? Kurzum: Weil nichts fehlt. Zumindest ist mir nichts aufgefallen. Oh doch, mir fehlte etwas: eine ordinäre Fusselbürste. Ein Anruf. Nicht einmal fünf Minuten später stand eine freundliche Dame vor meiner Tür und reichte mir diese. In Berlin habe ich drei Tage auf eine Handvoll Bügel gewartet. Das nennt man Service. Nah am Gast. Direkt und ohne Umschweife. So soll es sein in einem Fünf-Sterne-Haus.
Aber damit nicht genug. Betrachten wir das Bad. Ein Eldorado für Frauen, die sich durch die kleinen Fläschchen und Tübchen probieren. Im Badezimmer des Dolder Grand stehen nicht nur Body Lotion, Shampoo und Duschgel.  Hier steht an jeder Ecke irgendetwas Schönes zum Verschönern von Farfalla. Und wer die Schublade aufmacht, findet Nachschub: anderes Label (Kerstin Florian, deren Produkte es auch im Spa gibt), aber auch dufte pflegend. Man darf also getrost die Schönheitsutensilien vergessen, bevor man anreist, und wird sich trotzdem wie zu Hause fühlen. Dank Duftkerze, Nagelset oder Rasierer. Selbst ein Zahnputzpäckchen gibt es. Das Beste: der Fernseher im Badezimmerspiegel, der natürlich niemals beschlägt. So muss es sein in einem Luxushotel. Auf Elba hatte ich Duschgel im Spender, für Haare und Körper wohlgemerkt.
Das Wichtigste: das Zimmer. Klassik trifft Moderne – so wurden die Zimmer im generalüberholten Kurhaus von den United Designers gestaltet. Der Charme des geschichtsträchtigen Grandhotels wurde hier herausgeputzt. So sehr, dass die Zimmer in Würde erstrahlen.
In den hippen, jungen Flügeln dagegen (Spa und Golf Wing), dem Neubau von Sir Norman Foster, herrscht Wohlfühlpurismus. Sitzmöbel von de Sede, Balkon mit Dedon-Stühlen, ein Bett an der durchgehenden Glasfront, Pakettboden aus geräucherter Eiche, begehbarer Kleiderschrank und eine Wanne mit Aussicht. Oh ja, dieses Panorama. Den Wald im Rücken, fällt der Blick auf die wunderschöne Stadt Zürich und ihren See. Die perfekte Aussicht für ein Stadtresort. In Hongkong konnte ich von meinem Hotelbett im Luxuszimmer weder Wasser noch Berg sehen, eher den PC-Monitor des Büromitarbeiters auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Wer wohnt also in einem solch schicken Hotel? Ein Ort, das herauszufinden, ist allabendlich die Bar. Hunderte von Kerzen illuminieren von der Decke hängend die Bar, in der Jahrgangswodka und seltener Scotch serviert werden. Es ist Samstag. Die Gäste lümmeln sich draußen mit ihren Cocktails auf den Daybeds, während drinnen getanzt wird. Ein DJ legt auf. Nichts Anspruchsvolles, eher etwas locker Unterhaltendes. Alt und Jung wackeln bei Lady Gagas »Pokerface« über die Tanzfläche, die Stimmung ist gut, und das wird sie wahrscheinlich auch noch mitten in der Nacht sein. Denn die Bar schließt, wenn die Gäste nicht mehr trinken möchten. Kürzlich in Rom sah das schon ganz anders aus. Kein Mensch in der Hotelbar. Einsamer Barkeeper. Kein Vibe. Schade, denn auch Fünf-Sterne-Gäste können einen lockeren Abend haben. Im Dolder Grand passen sich die Gäste an. Die Steifheit verfliegt, und die Entspannung kommt. Wunderbar.
Die guten Schwingungen der Gäste könnten natürlich auf das herausragende Spa-Konzept von Sylvia Sepielli basieren. Sie hat einen Wellnessbereich geschaffen, in dem der Gast wirklich verweilen möchte. Ein Whirlpool mit Aussicht auf die Stadt, ein geschwungener Pool, ein Sunaburo (speziell für das Dolder Grand angefertigte Wannen, nach japanischem Vorbild) indem man ein Bad in aufgewärmten Kieselsteinen nehmen kann. Ein Ruheraum mit hängenden Sesseln und Audioentertaining. Ein Meditationsweg mit iPod-Anleitung, und natürlich ein Männer- und Damenbereich, der alles beinhaltet, was das Wellnessherz begehrt und dabei weder kühl noch anonym wirkt. Gespickt wird das Ganze durch ein ausgefeiltes Spa-Menü und eine Bio-Küche, die gerne auch am Pool serviert wird. In Dresden verletzten die braunen Fliesen und die Plastikblumen im Fünf-Sterne-Hotel meinen Sinn für Ästhetik, aber sie beleidigten auch den Begriff »Wellness«. Welch ein Klassenunterschied, wenn man diese 4000 Quadratmeter große Oase des puren Entspannungsglücks betrachtet.
Luxus, das fängt schon am Flughafen an. Wer einen Transfer mitbucht, der hat gleichwohl ein Erlebnis mitgeordert. Ein Chauffeur fährt in einem überlangen Lexus LS600h mit Hybridantrieb und »Mellow-White«-Lederinterieur vor. Ein besonderes Auto. Speziell für die glückliche Person, die hinten rechts Platz nehmen darf. Denn der Sitz hat es in sich. 20 Minuten Fahrzeit werden dann mit einer Shiatsu-Massage versüßt, während der Partner nebenan ebenfalls in den Genuss des Highend-Audiosystem kommt (mit 19 Lautsprechern!). Und wem das nicht reicht, der kann darum bitten, ein Film zu sehen, auf dem 9-Zoll-Farbbildschirm, der aus der Decke fährt. Vielleicht einen Film über Dolder Grand, ein Luxushotel par excellence, das sich neu erfunden hat? Auf allerhöchstem Niveau. Hatte ich erwähnt, dass mein Transfer in Australien aus einem wackeligen VW-Bus bestand, wo die Gurte einem in den Hals schnitten?
Wie ich es auch betrachte: Das Dolder Grand stellt alles in den Schatten, was ich bisher erlebt habe, und hinterlässt trotz saftiger Preise eine warme Erinnerung. Ein Heimatgefühl. Und die Sicherheit, hier vollkommen umsorgt zu sein. Und genau das ist es, wonach ich suche, wenn ich den Preis von 562 Euro für ein Doppelzimmer pro Nacht bezahle. Ich habe gehört, dass das Hotel unter der Wirtschaftskrise leidet und das Klientel fernbleibt. Das ist schade, wirklich schade, denn ich kann meine subjektive Aussage nur noch einmal unterstreichen: Es ist das beste Hotel der Welt.

The Dolder Grand. Kurhausstrasse 65, 8032 Zürich, Schweiz, Tel.: +41 44 456 60 00,
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Preise. Eine Nacht im Doppelzimmer beginnt ab 562 Euro, zu empfehlen ist eine Deluxe Junior Suite im Spa Wing mit Blick auf Zürich, für 807 Euro je Nacht. Beide Preise verstehen sich ohne Frühstück, dafür aber inklusive Spa (Preise können variieren)
Internet. www.thedoldergrand.com

 




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