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 Foto: Air France
La Première
Air France möchte mit seiner First Class das französische Lebensgefühl in den Himmel tragen. Ob das gelingt? Ein Selbstversuch.
Eine Vorwarnung am Düsseldorfer Flughafen wäre von Vorteil gewesen. Die hätte lauten sollen: »Bei Air France fängt der Himmel auf Erden an.« Aber am besten von vorne: Mein Flug von Düsseldorf via Paris nach Los Angeles startet in einem kleinen City-Hopper. Die genaue Bezeichnung der Maschine weiß ich nicht, die Technikfreaks mögen mir verzeihen. Mein Sitz war in der letzten Reihe. Um mich herum eine Quarantänezone aus freien Plätzen.
Anfängliche Verwunderung. Am Ende jedoch Dankbarkeit, denn der Flug war turbulent. Der Wind war unser ständiger Begleiter, und der Name City-Hopper bekam eine neue Definition. Menschen wurden krank, an Service war nicht zu denken – aber ich saß wie in einem eigenen Abteil abseits, friedlich und allein mit meiner schleichend kommenden Reisekrankheit.
Dann Landung. Der Flieger parkt. Niemand darf aussteigen. Ich sehe eine Limousine vorfahren. Noch immer steigt niemand aus. Ganz im Gegenteil. Eine wunderschöne Dame mit zurückgekämmten schwarzen Haar und blauer Robe betritt den Flieger und ruft meinen Namen. Wahrscheinlich hat es niemand gehört, aber ich habe mir eingebildet, dass die restlichen Passagiere sich gefragt haben, welcher VIP jetzt persönlich aus dem Flugzeug eskortiert wird, um auf dem Rücksitz einer Limousine Platz zu nehmen.
Mehr hätte es fast nicht gebraucht, um mein Herz zu erobern. Doch Air France hat für ihre 2008 eingeführte La Première ein Loungekonzept entwickelt, das nicht mit Opulenz protzt, sondern mit Service überzeugt. Angefangen mit einem eigenen Sicherheitscheck – ohne Schlange zu stehen. Ich werde freundlich eskortiert, herzlich begrüßt, elegant platziert, aufmerksam verwöhnt und exzellent bekocht. Der Passagier kann sich komplett entspannen in der La Première-Lounge. Er muss sich nur entscheiden, wo. Entweder, wie ich, beim Gourmet-Mittagessen im Restaurant von Alain Ducasse. Einer Drei-Sterne-Kochlegende. Eine nicht minder attraktive Alternative wäre das Spa Biologique Recherche, in dem jeder Passagier eine halbstündige Massage kostenlos angeboten bekommt, die dann mit kostenpflichtigen Anwendungen erweitert werden kann. Je nach Dauer des Aufenthalts kann man auch Gourmetküche mit Spa kombinieren. Auf Wunsch wird auch dieses Zeitmanagement dem Passagier vom freundlichen Loungeteam abgenommen.
Véronique Jeancler, Produktmanagerin für La Premièr bei Air France, erklärt mir: »Schon zu Zeiten der Concorde waren wir für unseren außergewöhnlichen Service bekannt. Diese Tradition wollten wir mit diesem Produkt fortführen.« Das bedeutet ein echtes Lächeln auf den Lippen des Mitarbeiters, ein proaktiver Service, der dennoch so zurückhaltend ist, dass die Privatsphäre nicht gestört wird. Dafür wird das Personal speziell ausgebildet und schon zu Beginn selektiert. Nur diejenigen, die reichlich Erfahrung an Bord oder aus der Luxushotellerie mitbringen, haben genügend Know-how für die La Première.
Zudem ist der Einsatz für die französische First Class ein Ehrenjob unter den Mitarbeitern von Air France, die diese Produktlinie mit Stolz erfüllt. Dies ist einer der Gründe, warum die Airline auch zu maroden Wirtschaftszeiten an der Prestigeklasse festhält. Sie ist Vorzeigeobjekt, ja gar ein Marketingtool. Eingesetzt bei den First-Class-Passagieren, die Unternehmen führen und am Ende des Tages an ihrem Schreibtisch darüber entscheiden, mit welcher Airline man feste Verträge macht. Denn Véronique Jeancler sieht die First Class als ergänzendes Mittel zu den aufstrebenden Business-Jets. »Da liegt unsere Stärke auf der Langstrecke.« Und wer nutzt diesen Service, der immerhin mehr als das Doppelte kostet wie ein Business-Class-Flug? »Hauptsächlich Franzosen«, antwortet Véronique, »danach Amerikaner und Asiaten.«
Elitär bewege ich mich mit der Limousine wieder Richtung Flieger. Diesmal zum A380 der gen Los Angeles abhebt. Dort hat die La Première neun Sitze. (Es gibt eine Boeing 777, wo es nur vier Sitze gibt.) Neue Modelle, wohl gemerkt. Aber nicht revolutionär anders als bisher und deswegen noch entfernt vom Komfort asiatischer oder arabischer Airlines.
Der Kenner mag das merken. Dem mag das ein oder andere fehlen, wie beispielsweise die Dusche an Bord (»das ist für uns aufgrund von Nachhaltigkeit keine Option«). Ich jedoch bin schon begeistert, dass mich der Steward auf Deutsch begrüßt. Sicherlich kein Zufall, dass er den Service in meinem Gang übernommen hat. Unglaublich aufmerksam finde ich das. Noch vor dem Abflug habe ich den gesamten Sitz inspiziert, der sich immerhin über sechs Fenster erstreckt. Pyjama, Schlappen und Decke liegen bereits parat. Das Amenity-Kit ist eher schlicht und unauffällig mit Produkten von Lanvin (eine Frau interessiert so etwas!). »Mittlerweile tauschen wir diese alle sechs Monate aus«, erklärt Véronique Jeancler, »früher haben wir das nur alle drei Jahre getan.« Das bedeutet Abwechslung für die Vielreisenden. Diese wiederum kann das Entertainment-Programm nicht wirklich bieten. Die Film-Selection ist die gleiche wie in der Economy Class. »Klein, aber handverlesen fein«, nennt es Air France.
Und das Essen an Bord? Délicieux! Guy Martin hat Feinschmeckermenüs kreiert, die selbst in 10000 Metern Höhe noch exzellent schmecken. Beispiele gefällig? Als Vorspeise wird Foie Gras mit Papaya-Kompott gereicht, gefolgt vom Lammfilet mit Brotkruste. Kurzum: Lecker! Dazu gibt es ausgesuchte Weine von einem der besten Sommeliers der Welt – Olivier Poussier. Da bin ich dem Himmel plötzlich näher denn je.
»Das französische Savoir-vivre wollen wir mitservieren«, erklärt mir der Steward, als er mir das fünfte Gläschen Champagner bringt, bevor er mein Bettchen über den Wolken mit Daunen-Duvet und reichlich Platz liegefertig macht. »Nur das Beste für meine Gäste«, sagt er und grinst.
Nach dem Flug lese ich, dass die La Première von Air France für den besten Champagner an Bord ausgezeichnet wurde, und mir fallen Véronique Jeanclers Worte wieder ein: »Der Passagier soll sich fühlen wie zu Besuch bei guten Freunden.«
Info. Air France, www.airfrance.de Preisbeispiele. Hin- und Rückflug Paris Charles de Gaulle – Los Angeles: E 952 p. P. in Economy Class (Voyageur), 1673 Euro p. P. in Premium Voyageur, 3.724 Euro p. P. in Business Class (Affaires) und 10.529 Euro p. P. in La Première – alle Preise verstehen sich inkl. Gebühren und Steuern.
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