40 Grad im Schatten, und mich trifft die Hitze wie eine Wand, als ich aus dem kleinen Flieger steige. Nicht nur die Sonne, auch die Luftfeuchtigkeit vernichtet mein Aussehen. Der lange Rock klebt an meinen Beinen, meine Haare locken sich wild, und ich will nicht wissen, wo mein Oberteil überall Flecken bekommt. Dabei soll es ein feines Outfit sein, schließlich will ich in eines der schönsten Hotels der Welt einchecken. Glücklicherweise beurteilt das Personal des Four Seasons seine Gäste nicht nach Äußerlichkeiten. Sie reichen mir ein geeistes Tuch und eine Flasche Wasser und kümmern sich um mein Gepäck, während ich mich am Flughafen entspannen soll, bis wir mit Sack und Pack die Leana betreten. Eine Yacht, auf die die Konkurrenz neidisch schielen soll, zumindest habe ich das gehört. Dort sitzt ein junges amerikanisches Ehepaar neben mir – anscheinend absolut hitzeresistent. Keine Schweißperle, kein wildes Fächern mit der Broschüre, kein Schrei nach einer neuen Wasserflasche – ich erblasse vor Neid, als mich die wunderschöne Heather nach meinem Namen fragt. Heather und Robert kommen aus Ohio und sind in den Flitterwochen. Mehr erfahre ich nicht, denn sie wollen alles über mich wissen – wahrscheinlich können sie sich nicht vorstellen, dass ein Freak wie ich – ganz ehrlich, ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen, als ich im Bad des Hotels in den Spiegel sah – tatsächlich im selben Hotel wohnt. Am Ende des Transfers vom Flughafen zum Hotel, der über die Lagune von Bora Bora führt und dabei einen wahnsinnig schönen Ausblick bietet, fragen mich beide ganz lieb, ob ich mit ihnen zu Abend essen würde. Ein Four Seasons Hotel ist immer ein Garant für exzellenten Service, deswegen soll man sich auch ein Golfkarttaxi bestellen, wenn man sich beispielsweise, auf den Weg in die Restaurants macht. Deutsche jedoch machen so etwas nicht. Also schiebe ich los mit meinen etwas zu großen Flip-Flops und muss die Strafe für meinen Übermut zahlen, als der Zehensteg sich aus dem Loch löst, mein Fuß durchschießt und der Flip-Flop sich senkrecht an meiner Ferse befindet, während mein nackter Fuß auf heißem Asphalt landet. Just in diesem Moment schwebt mir, engelsgleich, Heather entgegen. Robert hat seinen Arm leicht um sie gelegt und Heather erzählt mir gleich, welche Aktivitäten ihr Mann für den Aufenthalt gebucht hat. Zuerst gehen sie auf Inselsafari (das will ich auch machen) und einen Tag später Haie und Rochen füttern (ich will auch) und dann auf eine Jet-Ski-Tour durch die Lagune (oh ja), und auf jeden Fall hat er tägliche Spa-Treatments gebucht im »Cathedral of Wellbeing« (wow!). Gedacht, getan: Haie und Rochen wurden am nächsten Tag gefüttert, und während des Picknicks bei diesem Ausflug habe ich mir drei Dutzend Mückenstiche eingefangen, die dick angeschwollen sind. Das machte mich unglaublich attraktiv, aber Heather und Robert mochten trotzdem mit mir essen, denn die beiden haben einfach einen guten Geschmack.
Text: Jennifer Latuperisa
FOUR SEASONS RESORT BORA BORA.
Motu Tehotu BP 547,98730 Bora Bora, French Polynesia, Tel.: (689) 603 130
PREISE.
Das Four Seasons Resort besteht aus 114 Over-Water Villen und 7 Beachvillen, wobei letztere höherer Kategorie angehören und meiner Meinung nach sehr gut für Familien geeignet sind. Die Over-Water Villa kostet pro Nacht ab € 675, eine Nacht in der Beachvilla ab € 2548 ohne Frühstück
ANREISE.
Ab Paris via Los Angeles nach Papeete mit Air Tahiti Nui. www.airtahitinui.com Mehrmals am Tag fliegt Air Tahiti von Papeete nach Bora Bora. www.airtahiti.aero
INTERNET.
www.fourseasons.com
Kapitel 1 – Das Labyrinth Während der Mittagshitze sind die Stimmen Marrakeschs noch gedämpft. Die Teppichverkäufer trinken einen marokkanischen Pfefferminztee, aber zu einem Verkaufsgespräch sind sie allzeit bereit. Sobald sich die Sonne neigt und die eng zusammenstehenden Riads und Koranschulen einen wohltuenden Schatten spenden, werden die Stimmen lauter und der Duft orientalischer Gewürzmischungen vermengt sich mit der staubigen Luft. Ich habe mich in der Medina treiben lassen und mein Ziel, den Platz der Gehängten, aus den Augen verloren. Es heißt, alle Straßen münden auf diesem Platz. »Qu’est-ce que vous cherchez, Madame?« »La place.« Ein einäugiger Mann weist mir den Weg zum Jamaa-el-Fna, den hier alle Touristen suchen. Einen Lohn für seine fünf-,sechs- oder Wie-viel-auchimmer- köpfige-Familie, verlangt er nicht. Trotzdem gleicht mein Spaziergang einem Irrlauf und eine Karte nützt nur wenig. Denn nur einige der sich wie das arabische Alphabet windenden Gassen sind beschildert, und der einzige verlässliche Wegweiser – das hoch aufragende Minarett der Kotoubia-Moschee – ist erst zu sehen, wenn man bereits sein Ziel vor Augen hat. Und so quetsche ich mich zwischen Eselskarren und hupenden Mopeds hindurch. Selbst der Chaos ist poetisch und das sanfte Abendlicht färbt »die rote Stadt« noch röter. Kapitel 2 – Gaukler und Gucci Marrakesch steckt voller Gegensätze: Während die Medina noch wie ein orientalisches Abenteuer anmutet, in dem Schlangenbeschwörer, selbst ernannte Knochenärzte die Bühne beherrschen, tummeln sich in der Neustadt lokale und internationale Stars in XXL-Sonnenbrillen und Gucci-Pumps. In der Medina dampfen die mobilen Garküchen, die gekochte Lammköpfe anbieten, in der Neustadt betritt der Besucher ein glamouröses Neustadtlokal über einen flauschigen roten Teppich. Hier die Lampenschmiede dort Yves Saint Laurent. Hier der Ruf des Muezzin, dort das Konzert von Khaled. Kapitel 3 – Mein Name ist Yela Sesam öffne dich! Wie wohl es tut, nach einem aufreibenden Tag an einen ruhigen und farbreduzierten Ort zurückzukehren. »Ana Yela« ist eine solche Oase. Das Riadhotel steht im Kontrast zu der quirligen Medina und ist doch ein Teil von ihr. Eine Fata Morgana, wie es sie nur hier, im nördlichen Teil der Altstadt, geben kann, in einer engen Gasse, in der Kinder Fußball spielen, nicht ahnend, welche Elysium sich hinter der Holztür verbirgt. Wer das Innen- Außen-Prinzip der marokkanischen Architektur kennt, weiß, dass man an der Außenmauer nicht beurteilen kann, ob Armut oder Reichtum sich hinter den Mauern verbergen. So verrät weder eine Hausnummer, noch ein Namensschild des Riads »Ana Yela« seine Existenz. Beim ersten Mal findet der Gast den Weg nur mit Begleitung des Hoteleigentümers, beim zweiten Mal mithilfe des Hotelchauffeurs und beim dritten Mal selbstständig. Dann: Drei mal Klopfen. Ich muss mich ducken, und zwischen dem weißen Vorhang in den Patio treten. Und beng! Wie angenehm ruhig das Wasser im Brunnen vor sich hin plätschert. Ein dezenter Duft von Rosen und Lilien liegt in der Luft. In Sekundenschnelle ist der Staub der Straße vergessen und das Geruchsmosaik des Souks aus Koriander, Safran und Arganöl verflogen. Mit den weichen Babouches – den typisch marrokanischen Pantoffeln –, die jeder der maximal zehn Gäste des Hauses als Willkommensgeschenk bekommt, schwebe ich fortan ein paar Zentimeter über dem Boden. No shoes, no news. Dafür habe ich alle Zeit der Welt – zum Verweilen. Vom fliegenden Teppich, einem breiten Diwan ganz oben auf der Terrasse des Riads, sieht die Medina ganz friedlich aus. Eine handvoll Minarette ist zu sehen und Tausende von Satellitenschüsseln ... Irgendwo in der Ferne ist das schneebedeckte Atlasgebirge zu erkennen. Ein lauwarmes Lüftchen spielt mit den kleinen Flammen der unzähligen Kerzen. Die Ruhe wird kurz durch den Ruf des Muezzin durchbrochen. Gänsehaut. Augen zu. Der fliegende Teppich scheint loszuschweben. Ana Yela ist der Ort, den man im überfrachteten Marrakesch zum Atmen braucht. Nirgendwo ist das Nichtstun schöner, und dennoch lernt man hier die Metropole von ihrer besten Seite kennen. Für mich gilt: Wenn Marrakesch,dann Ana Yela.
Text: Karolina Golab
HOTEL.
Ana Yela. 28 Derb Zerwal, Zaouira Abassia, 40000 Marrakech Medina, Morocco,Tel.: +212 (0) 524386969
PREIS.
Die Zimmer kosten ab € 290 pro Nacht, inkl. Frühstück, Flughafentransfer, WLAN. Für € 1700 kann das gesamte Haus gemietet werden.
ANREISE.
Mit Condor ab Düsseldorf, Frankfurt a. M. und München teilweise direkt oder über Agadir, oder mit Ryanair täglich ab Weeze direkt nach Marrakesch
LITERATURTIPP. Elias Canetti, »Die Stimmen von Marrakesch«. Aufzeichnungen einer Reise von 1968, der hörverlag, ab € 19,95