Die Ankunft in Passau raubt mir sämtliche bis dahin noch vorhandenen Hoffnungen: Mit mir auf dem Kai stehen – ich muss es leider so ausdrücken – nur Mitreisende mit schneeweißem Haar, manche von ihnen sind mit Gehstock bewaffnet. Der durchschnittliche A-Rosa-Passagier soll 59 Jahre alt sein, wohl eher 95 Jahre. »Herzlich willkommen auf der A-Rosa Bella«, begrüßt mich Hotelmanagerin Annette Prinz. Im Tausch gegen meinen Personalausweis bekomme ich meine Zimmerkarte. Fluchtversuche sind ab jetzt wohl zwecklos. Am Abend, beim „Welcome Cocktail“ mit den Offizieren, sitzen Horst und Brigitte, ein Ehepaar aus Solingen, beide Ende fünfzig, neben mir auf dem orangefarben bezogenen Sofa. Brigitte trägt eine mit Brillanten besetzte Gucci-Brille und ein Polo-shirt, Horst ein blauweiß kariertes Hemd und Jeans. »Wir wollten erst mal testen, ob eine Kreuzfahrt was für uns ist und dann später mal in die Karibik«, sagt er und senkt seine Stimme. Aber erst hätten sie sicher sein wollen, dass das nicht so eine steife Veranstaltung mit »fünf-mal am Tag in Schale werfen«, festen Tischplätzen und Menüabfolge sei. Während ich am Willkommenssekt nippe, stelle ich erstaunt fest, dass bei den meisten der versammelten Passagiere die Dritten, Hörgerät und Treppenlift doch noch in einiger Entfernung liegen. Am nächsten Tag legen wir gegen Mittag in Wien an. Auf dem Programm steht Sightseeing. Vor dem Bus reihen sich die älteren Herrschaften, die gestern in Passau auf dem Kai standen. »Wir gehen zusammen und langsam«, sagt die Wien-Führerin, als der Bus vor dem Schlosspark Belvedere hält. Peinlichst darauf bedacht, meine Schritte denen der älteren Herrschaften anzupassen, folge ich der resoluten Dame oder eher ihrem Schirm, den sie in typischer Fremdenführermanier in die Höhe streckt. »Muss jemand auf die Toilette, oder können wir weiter? «, fragt die Wien-Expertin unvermittelt in die Runde. Wie bitte? Wir sind höchstens zehn Minuten unterwegs und haben gerade einmal die Hälfte des Schlosses umrundet. Im Alter sollen sich ja die Körperfunktionen wieder mehr denen als Kind annähern. Wieder auf der A-Rosa, steht am Abend die Auslaufparty auf dem Achterdeck an. Die Veranstaltung am ersten Abend in der Lounge war noch etwas bizarr: Paare tanzten vor rotem Samtvorhang. Eine Discokugel warf helle kreisende Lichter auf Mensch und Vorhang und Kai, der DJ ließ vom Donauwalzer über »Rote Rose in Athen« keinen Klassiker aus. Sehr beliebt: Lieder von Howard Carpendale, immerhin der Geschmack meiner Mutter und nicht der meiner Oma. Und dass die Passagiere überhaupt noch das Tanzbein schwingen können, hatte ich vorher stark bezweifelt. Nicht zum ersten Mal musste ich meine Vorurteile über Bord werfen. Allerdings bin ich nach vier entspannenden Tagen froh, keine Donauwellen mehr unter den Füßen zu spüren. Rückkehr nicht ausgeschlossen!
Autor: Ulrike Klaas
BUCHEN. Im Reisebüro oder unter www.arosa.de oder Tel. 018030-27672
PREISE. A-Rosa bietet 5-, 6-, 8- oder 17-tägige Reisen an. 6 Tage kosten 599 Euro pro Person im DZ inklusive Vollpension. Kinder bekommen 25 Prozent Rabatt
ROUTE. 6-Tages-Rundreise »Höhepunkte der Donau« geht von Passau aus über Wien, Budapest, Bratislava und Wachau.
ANREISE. Nach Passau mit der Deutschen Bahn (115 Euro pro Person; 2. Klasse Hin- und Rückfahrt) oder mit Germanwings, Lufthansa und Air Berlin nach Wien
TERMINE. Das ganze Jahr über bis auf Februar und März. Außerdem gibt es Themenkreuzfahrten zu Gourmet und Golf
»Wenn Sie, äh, vom Hauptbahnhof in München, ohne dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie, äh, am Flughafen, am … am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug«, schwärmte und stammelte Edmund Stoiber von seinem Traum vom absoluten Bahnhof. Diesen Traum teilt der ehemalige bayerische Ministerpräsident mit Daniel Libeskind, dem gebürtigen Polen und mittlerweile in New York und Berlin lebenden Stararchitekten, der sich einer ganz anderen Ästhetik der Verstörung verpflichtet fühlt. Libeskind träumt von einem mystisch gigantischen Bahnhof, einer fantastischen Untergrundbahn, halb viktorianisch, halb hässliche New Yorker Subway: »Der Bahnhof ist meine Liebe, mein Leben, mein New York«, erzählt Libeskind. Sind seine ausgeplauderte Träume schon bedeutungsschwanger und gewiss doppeldeutig, Libeskinds realen Bauten sind es erst recht. So spricht allein der Außenbau des Imperial War Museums in Manchester Bände und erzählt mehr von der kriegerischen Entzweiung und den Trümmern des Lebens als die im Innern von den Wänden hängenden Modellbauflugzeuge aus Kriegszeiten. Gerade Linien streben auf eine weiche, ausladende metallisch funkelnde Form zu, die sich nach oben Richtung Himmel streckt, so als ob sie diesen zumindest mit den äußeren Spitzen berühren wollte. Trotz der futuristischen Gewalt, mit der die Stromlinie die Gebäuderundung durchbohrt, trotz aller Tragik, den spielerischen Charakter verliert das Museum nicht. Denn aus einer anderen Perspektive betrachtet, wirkt alles leicht, wie ein Spiel. Ein Gebäude wie das Leben. Betritt man Libeskinds Bauten, taucht man unweigerlich ab, wie Alice im Wunderland, die durch den Hasenbau kletternd in eine andere Welt plumpst, in eine fremde, surreale Welt. »Im Traum habe ich selbstverständlich keine Probleme mit der Statik«, wendet Daniel Libeskind weniger metaphorisch ein; eine Aussage, die die Statiker am Bau müde lächeln lässt, denn sie haben alle Mühe, die Architektenutopien realisierbar zu machen, damit ein Gebäude die Aura und die angestrebte Wirkungsmacht im Sinne des Stararchitekten voll entfalten kann. Bis heute hat Daniel Libeskind in zahlreichen europäischen Metropolen Museen gebaut, in Kopenhagen, in London, auch auf Mallorca und natürlich auch in Berlin. Sein aktuelles Projekt ist der größte und vielleicht komplizierteste Architektenauftrag der Gegenwart, der Wiederaufbau von Ground Zero.
Autor: Carolin John
BERÜHMTE BAUTEN. Berlin: Jüdisches Museum, Denver: Art Museum, London: Victoria & Albert Museum, Toronto: Royal Ontario Museum, Kopenhagen: Jüdisches Museum, Osnabrück: Felix-Nussbaum-Haus, Manchester: Imperial War Museum, Mallorca: Atelier Weil
PROJEKTE. Ground Zero/New York, Campus der Leuphana- Universität/Lüneburg
BUCH. Daniel Libeskind: Entwürfe meines Lebens. Autobiografie von Daniel Libeskind, Sarah Crichton, Frank Fritz und Heinrich Koop, Goldmann-Verlag 2006, 9,95 Euro
INFO. www.daniel-libeskind.com
DURCHBLICK
PO. Färb’ dir die Welt, wie sie dir gefällt. Das XXLModell in Schmetterlingsform teilt die italienische Flusswelt in zwei Farben: Oben Schwarz und unten Violett. Von Prada, um 190 Euro.
YANGTSE. Weiß umrandete Brillen liegen im Trend, ebenso wie Flusskreuzfahrten von Shanghai bis nach Beijing. Von Bulgari mit Kristallen, um 250 Euro.
GÖTA KANAL. Kühlen Schick strahlt die Brille aus schwarzem Kunststoff im Space-Design aus. Kollektion Boss Orange woman, um 160 Euro.
RHÔNE. Die Hepburn trug sie schon in »Frühstück für Tiffany«. Neuester Clou: Weiße Fassung mit schwarzen Bügeln. Très schick! Von Ray-Ban, um 130 Euro.